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10 Tipps für eine gute Betriebsanleitung und Übersetzung

von | 27. März 2018 | Koffie?

Jeder kennt die Situation wahrscheinlich. Man kauft ein Gerät, schlägt die Betriebsanleitung auf und die ist kaum zu verstehen. Häufig wird der Übersetzer schnell als Schuldiger ausgemacht. Entweder weil er nicht über das notwendige Fachwissen verfügt oder mutmaßlich einfach ein schlechter Übersetzer ist. Möglicherweise wurde der Text aber auch ganz maschinell übersetzt und nicht noch einmal überarbeitet. Die Betriebsanleitung kann aber auch schlicht und ergreifend schlecht geschrieben sein. Wenn die Betriebsanleitung oder technische Dokumentation nicht von einem technischen Redakteur, sondern von einem der Entwicklungsingenieure erstellt wurde, dessen Stärke nicht unbedingt das Schreiben ist. Dabei ist es gar nicht so schwer, sprachlich gute Betriebsanleitungen zu erstellen, wenn man dabei einige wenige Regeln beachtet.

Textfunktion und Textsorte, thematische und grammatische Textkohärenz sowie die thematische Entfaltung werden bereits beim Erstellen festgelegt und sind Aufgabe des technischen Redakteurs oder Autors. Eine einfache Überarbeitung der Betriebsanleitung wie auch der Übersetzung hinsichtlich Ausdruck und Stil bewirkt oftmals schon wahre Wunder.

1. Das Wichtigste im Satz zuerst

In einem Satz sollte das Wichtigste immer zuerst genannt und außerdem auf eine logische Handlungsabfolge geachtet werden. Zum Beispiel könnte die Anweisung „Öffnen Sie die Abdeckung, nachdem Sie die Maschine ausgeschaltet haben.“ falsch verstanden werden. Logisch wäre hier eine andere Reihenfolge: „Schalten Sie die Maschine aus. Öffnen Sie die Abdeckung.“

2. Kurze Sätze mit einer eindeutigen Aussage

Kurze Sätze mit klaren Anweisungen lassen kaum Raum für Interpretationen. Ideal ist eine eindeutige Aussage pro Satz. Einschübe, Relativsätze und sogenannte Linkserweiterungen machen den Satz komplizierter und sorgen für ein größeres Fehlerrisiko.

3. Positivformulierungen, Gebote und keine Verbote

Vermeiden Sie (doppelte) Verneinungen und formulieren Sie positiv. Schreiben Sie, was der Benutzer tun soll und nicht, was er lassen soll. Die Anweisung „Unbefugten Personen ist es nicht erlaubt, den Sicherheitsbereich zu betreten.“ ist eine Negativformulierung und ein Verbot. Positiv formuliert wäre „Sicherheitsbereich um die Maschine absperren.“ eine deutlich bessere und kürzere Anweisung.

4. Füllwörter streichen

Durchsuchen Sie den Text nach Wörtern wie „aber“, „unter anderem“, „verschiedene“ oder „eigentlich“. Diese Wörter sagen nichts aus und blähen den Text unnötig auf. Außerdem schränken sie die unter Punkt 2 beschriebene Eindeutigkeit ein und sorgen für Interpretationsspielraum.

5. Falsche Fachbegriffe/Terminologie

Die richtige Verwendung von Fachbegriffen und Terminologie sollte in der technischen Dokumentation eine Selbstverständlichkeit sein. Weit gefehlt, denn trotz verschiedenster Hilfsmittel, die für die Texterstellung verfügbar sind, werden verschiedenste Begriffe für ein und dieselbe Sache verwendet.

6. Ausdruck

Ausdrucksfehler sind keine Feinheiten, sondern Fehler, die nicht vernachlässigt werden können. Zum Beispiel passen Substantiv und Verb in einem Satz nicht zusammen. Im Satz „Der Anwender verfolgt eine ungünstige Technik“ befindet sich ein Ausdrucksfehler, denn eine Technik wird nicht verfolgt, sondern angewendet. Solche Fehler fallen in Texten, die man selbst geschrieben hat, kaum auf. Daher ist es hier sinnvoll nach dem 4-Augen-Prinzip zu arbeiten und den Text Korrektur lesen zu lassen.

7. Aktiv statt Passiv

Formulieren Sie Anweisungen im Aktiv und vermeiden Sie Passivkonstruktionen. Anweisungen sollen den Benutzer zu einer aktiven Handlung bewegen, daher ist eine direkte Ansprache notwendig. Darüber hinaus sind Sätze im Aktiv in der Regel kürzer.

8. Verben statt Substantive

Vermeiden Sie Nominalisierungen. Verräterisch sind hierbei die Endungen -keit, -heit, -ung, -ion und -atz, denn Adjektive, Verben und Adverbien können damit schnell in ein Substantiv umgewandelt werden. Dabei ist es in den meisten Fällen ganz einfach eine Nominalisierung mit einem Verb auszudrücken. Ein Beispiel sind die sogenannten Funktionsverben. Eine „Kontrolle durchführen“ lässt sich ganz einfach durch das Verb „kontrollieren“ ersetzen.

9. Ausdrucksstarke Verben

Nutzen Sie ausdrucksstarke Verben und vermeiden Sie Sätze mit Formen von „ist“ und „haben“. Verben erzeugen beim Leser bestimmte Bilder im Kopf, die das Verständnis des Texts erleichtern. Sorgen Sie also nicht dafür, dass das Gerät angeschlossen ist, sondern schließen Sie das Gerät einfach an.

10. Ausdruckstarke Überschriften

Abschließend sollten Sie einen Blick auf die Überschriften werfen. „Einleitung“, „Allgemeines“ oder „Schluss“ haben nur wenig Aussagekraft.

Es ist selbstverständlich, dass die Betriebsanleitung – wie jeder andere Text auch – in der ursprünglichen Version und in der Übersetzung sorgfältig nach den aktuellen Regeln der Grammatik und Rechtschreibung kontrolliert wird. Mit diesen Regeln als Handwerkszeug wird die Übersetzung vielleicht sogar besser als das Original. Viel Erfolg beim Schreiben

Haben Sie selbst lustige oder auffallende Fehler in einer Betriebsanleitung gefunden? Teilen Sie diese mit uns und hinterlassen Sie einen Kommentar.

Peter Oehmen

Peter Oehmen

Am Niederrhein geborenes Nordlicht. Technischer Fachübersetzer für Niederländisch – Deutsch. Ich unterstütze meine niederländischen Kunden dabei, nachhaltig erfolgreich auf dem deutschen Markt zu kommunizieren. Ich lebe im Herzen Berlins.

Erfahrungen & Bewertungen zu Oehmen & Reitsma, Übersetzer Partnerschaft